Berufsstart in der Zeitarbeit – Eine gute Idee?

August 9, 2021

Berufsstart Zeitarbeit

Nach meinen Studium hatte ich keine Ahnung, was ich ich machen wollte. Ich habe anfangen bei einen Zeitarbeitsunternehmen zu arbeiten. Nach kurzer Zeit bekam ich das Angebot in den internen Personalbereich zu wechseln und damit habe ich die Weichen für meine berufliche Ausrichtung gestellt. Viele Jahre später habe ich selbst eine Niederlassung geleitet. Vielleicht bin ich daher nicht ganz objektiv, auf der anderen Seite kenne ich das Business von innen.

Ich bin überzeugt, dass Zeitarbeit ein guter Einstieg ins Berufsleben sein kann. Besonders dann, wenn Sie vielleicht noch nicht genau wissen, was Sie machen wollen.

Außerdem sieht es im Lebenslauf besser aus als eine längere Arbeitslosigkeit.

Was ist Zeitarbeit eigentlich genau?

Es ist ein rechtliches Dreier-Verhältnis.

  • Es gibt das Zeitarbeitsunternehmen (Personaldienstleister) der sogenannte Verleiher.
  • Die Mitarbeiter:innen eines Personaldienstleisters sind die Leiharbeitnehmer:innen
  • Das Unternehmen in dem der Mitarbeiter eingesetzt ist, d.h. seine Arbeit leistet – ist der sogenannte Entleiher.

Zwischen 1 und 2 wird ein Arbeitsvertrag abgeschlossen, für den alle Rechte und Pflichten gelten wie für jeden gewöhnlichen Arbeitsvertrag. Zusätzlich gibt es Vorschriften aus dem Arbeitnehmer Überlassungs Gesetz (AÜG) insbesondere zum Schutz der Leiharbeitnehmer:innen. Wer genaueres wissen möchte, Google weiß alles.

Zwischen 1 und 3 kommt ebenfalls ein Vertrag zustande, der sogenannte Arbeitnehmer Überlassungs Vertrag (AÜV), der regelt die Pflichten und Rechte des Entleihers.

Die Leiharbeitnehmer:innen leisten ihre Arbeit vor Ort beim Entleiher .


Berufsstart nach dem Studium in der Zeitarbeit ?

In den 70er und auch noch 80er Jahren wurden oft weniger qualifizierte Arbeitnehmer:innen  in der Zeitarbeit eingesetzt. Das hat sich spätestens seit den 90er Jahren geändert. Viele Personaldienstleister haben sich auf gut bezahlte und gut qualifizierte Berufsgruppen spezialisiert. Ich habe eine Niederlassung mit IT-Spezialisten geleitet. Von First-Level-Support bis zu hoch spezialisierten Software-Entwicklern. Solche Mitarbeiter:innen unterschrieben nur dann einen Arbeitsvertrag, wenn das Gehalt attraktiv ist. Manche Personaldienstleister suchen auch gezielt nach Hochschul-Absolvent:innen. Auch wer quer einsteigen möchte, findet gute Chancen in der Zeitarbeit.


Ist die Bezahlung schlechter?

Der wichtigste Grundsatz zur Vergütung von Zeitarbeitnehmern, der im Gesetz verankert ist, ist der Gleichstellungsgrundsatz. In § 8 des AÜG heißt es dazu:

"Der Verleiher ist verpflichtet, dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren."

Konkret bedeutet das: Ihr Arbeitgeber, also die Zeitarbeitsfirma, muss Ihnen das gleiche Gehalt zahlen wie vergleichbaren Stamm-Mitarbeiter:innen in dem Betrieb, in dem Sie eingesetzt sind. „Vergleichbar“ bedeutet Qualifikation und Kompetenz sind ähnlich (z.B. Ausbildung und Berufserfahrung) und er/sie führt im Betrieb ähnliche Aufgaben aus wie Sie. Wenn das Zeitarbeitsunternehmen einen eigenen Tarifvertrag hat, gilt zusätzlich der Gleichstellungsgrundsatz.

Ihre Grund-Vergütung wird in Ihrem Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen festgelegt. Das ist das Gehalt, das Sie erhalten, wenn Sie krank werden oder keinen Einsatz haben. Zeiten in denen Sie keinen Kundeneinsatz haben muss der Verleiher Ihnen vergüten.

Das Gehalt kann also von Einsatz zu Einsatz variieren, darf aber nicht unter der Grundvergütung liegen.

Wenn Sie sich für einen Job bei einem Personaldienstleister entscheiden, achten Sie auf diese Grundvergütung. Mit diesem Geld können Sie monatlich fest rechnen. Grundsätzlich sind Gehälter frei verhandelbar.

Unter diesem Link können die verschiedene Gehaltsvarianten durchrechnen. Nettolohn

 

Kündigung des Leih-Arbeitsverhältnis

Als Arbeitnehmer:in können Sie jederzeit – unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen – kündigen. Das gleiche gilt für das Zeitarbeitsunternehmen – hier gelten allerdings zusätzlich die Bestimmungen des Kündigungsschutz-Gesetzes – wie für alle anderen Arbeitnehmer:innen auch.


Übernahme durch den Entleiher (der dritte im Bunde)

Diese Möglichkeit ist aus meiner Sicht die größte Chance für Sie, wenn Sie Ihren Berufsstart in der Zeitarbeit machen. Sie kennen das Unternehmen, Sie kennen die Kolleginnen und Kollegen, Ihre Chefin oder Ihren Chef. Sie wissen welche Aufgaben Sie haben werden und was von Ihnen erwartet wird.

Für die meisten meiner Mitarbeiter:innen war das eine riesige Möglichkeit und manche hätten den Weg in den Traumjob ohne Zeitarbeit nicht gefunden.

Sie können aber auch nein-sagen, wenn Sie nicht übernommen werden möchten. Auf jeden Fall sind Sie mit Ihrer Entscheidung auf der sicheren Seite.
Aber Vorsicht: Der Entleiher (3) ist bei einer Übernahme meistens verpflichtet eine Vermittlungs-Provision an den Verleiher (1) zu zahlen. Manche Kunden versuchen das zu umgehen und überreden die Leiharbeitnehmer:innen zu einer Kündigung mit dem Versprechen sie anschließend einzustellen.

Darauf sollten Sie sich auf keinen Fall einlassen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Führungskraft im Zeitarbeitsunternehmen. Niemand kann Sie daran hindern, zu einem Kundenunternehmen zu gehen. Das sollte aber für alle Seiten fair verhandelt werden. Sie selbst müssen keinerlei Gebühren an das Zeitarbeitsunternehmen zahlen.


Wenn es mir bei einem Unternehmen nicht gefällt?

Wenn es Ihnen bei den Kundenunternehmen nicht gefällt, suchen Sie am besten das Gespräch mit Ihrer Führungskraft im Zeitarbeitsunternehmen. Machen Sie vorher Notizen, was genau Ihnen nicht gefällt und aus welchem Grund es Ihnen nicht gefällt.

Meistens sind in diesen Situationen beide Seiten nicht miteinander zufrieden. Es macht für den Personaldienstleister keinen Sinn einen unzufriedenen Mitarbeiter beim Kunden zu lassen. Das kostet am Ende Geld, weil die Arbeitsleistung nicht stimmt und unzufriedene Kunden will niemand haben.

Aus meiner Erfahrung lässt sich – wenn man offen über alles spricht – eine gute Lösung für alle Beteiligten finden.


Woran erkenne ich ein gutes Zeitarbeitsunternehmen?

Viele Zeitarbeitsunternehmen arbeiten nach den gleichen Standards. Große Personaldienstleister haben mehr Kunden und bieten dadurch auch mehr Möglichkeiten – gerade wenn Sie vielleicht auch in einer anderen Stadt arbeiten möchten. Oft ist auch die Bezahlung besser als bei kleinen, regionalen Unternehmen.

Lassen Sie die Homepage auf sich wirken:

  • Wie Bewerber-freundlich ist sie?
  • Klingen die Versprechen realistisch?
  • Gibt es Aussagen zu Weiterbildungen?
  • Gibt es einen Tarifvertrag?
  • Welche Beurteilung bekommt das Unternehmen bei KUNUNU

Wenn Sie sich entschieden haben, bewerben Sie sich bei Ihren drei bis fünf Favoriten. Lassen Sie den Bewerbungsprozess auf sich wirken.

  • Wie schnell?Wie professionell?
  • Findet ein persönliches Gespräch statt (online oder face-to-face?
  • Wie gut passen die vorgeschlagenen Stellen zu Ihren Wünschen?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Sie Ihre Führungskraft im Zeitarbeitsunternehmen persönlich kennenlernen.  Die Chemie zwischen Ihnen und der Führungskraft muss stimmen, sonst wird es keine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Erst dann, wenn auch die gehaltlichen Rahmenbedingungen stimmen, entscheiden Sie sich für einen Personaldienstleister.

Hier finden Sie Daten und Fakten zur Zeitarbeit

Für mich ist Zeitarbeit eine gute Möglichkeit, in die Arbeitswelt einzusteigen. Das gilt auch für gut qualifizierte Hochschul-Absolvent:innen. Es ist ein Sprungbrett und so wird es  jeder Arbeitgeber auch einschätzen. Es kann ein erfolgreicher Weg zum Traumjob sein.


Welche Erfahrungen haben Sie mit Personaldienstleistern gemacht?

Wie stehen Sie zum Berufsstart in der Zeitarbeit?

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