Sollte ich meine Führungsposition nach meiner Erkrankung abgeben?

Führungsposition aufgeben?

Wer nach langer Erkrankung an den Arbeitsplatz zurückkehrt, ist häufig nicht sofort wieder voll belastbar.
Was soll ich nach der Rückkehr an meinen Arbeitsplatz tun?
Vor dieser Frage stand eine Teamleiterin.

Ich bin Teamleiterin im Rechnungswesen in der Maschinenbaufirma, in der ich vor über 20 Jahren meine Ausbildung gemacht habe. Vor gut einem Jahr ist mein Mann, der deutlich älter war als ich, plötzlich verstorben. Sein Tod hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich war zuletzt mehrere Monate krankgeschrieben. Nun bin ich wieder einigermaßen stabil und möchte in die Firma zurückkehren. Der Geschäftsführer rät mir, die Teamleitung an meinen bisherigen Stellvertreter, einen jungen Mann, abzugeben. Ich bin sehr hin- und hergerissen und weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll.

Wer nach langer Erkrankung an den Arbeitsplatz zurückkehrt, ist häufig nicht sofort wieder voll belastbar. Dass das auch bei Ihnen der Fall ist, klingt an, wenn Sie sich als „einigermaßen stabil“ bezeichnen. Vielleicht hat der Geschäftsführer Ihre Selbstzweifel gespürt, und sein Rat drückt Besorgnis aus. Dann könnten Sie mit ihm klären, ob es möglich ist, langsam wieder einzusteigen und am Anfang die wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden zu reduzieren.

Die Frage, ob Sie weiterhin Teamleiterin bleiben wollen, ist davon jedoch unberührt. Sie geht einher mit der Frage, ob Sie in Zukunft wieder als Sachbearbeiterin im Rechnungswesen tätig sein möchten. Beide Szenarien können Sie gedanklich durchspielen.

Szenario eins: Sie bleiben Teamleiterin

In den Monaten, in denen Sie krankgeschrieben waren, hat Ihr Stellvertreter zumindest einen Teil Ihrer Führungsaufgaben übernehmen müssen.

Hat er diese Aufgaben loyal und in Ihrem Sinne erfüllt?
Wenn Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem jungen Mann haben, sprechen Sie unter vier Augen mit ihm.
Überlegen Sie vorab, welche Rolle er in Zukunft übernehmen kann – gerade wenn Sie sich noch nicht wieder hundertprozentig stabil fühlen. Machen Sie in dem Gespräch deutlich, dass Sie als Teamleiterin ihn als ihren Stellvertreter schätzen und dass er die „Bewährungsprobe“ prima gemeistert hat.
Sagen Sie ehrlich, dass Sie auch weiterhin auf seine Unterstützung angewiesen sind: „Der Tod meines Mannes belastet mich noch immer. Dennoch ist es für mich wichtig, jetzt wieder auf meinem alten Platz weiterzumachen.
Genauso wichtig ist mir Ihre Unterstützung.
Könnten Sie sich vorstellen, weiterhin einige meiner Aufgaben zu übernehmen?“
Ermuntern Sie Ihren Stellvertreter, seine Wünsche und Erwartungen zu formulieren, um gemeinsam an einer konstruktiven Lösung zu arbeiten.

Wichtig ist, dass die Aufgaben dauerhaft bei ihm bleiben können: Zurücknehmen sollten Sie den Zuwachs an Verantwortung nicht.
Vielleicht können Sie später, wenn Sie wieder belastbarer sind, dafür das eine oder andere Fachthema übernehmen.

Oder hat Ihr Stellvertreter die Zeit genutzt, um sich als Ihr Nachfolger zu positionieren?
Haben Sie den Eindruck, dass er bereits an Ihrem Stuhl sägt?
Machen Sie ihm deutlich, dass Sie jetzt wieder die Leitung übernehmen: „Wie Sie wissen, habe ich eine schwierige Zeit hinter mir. Nun kann ich meine Aufgaben wieder voll und ganz erfüllen!“
Hören Sie genau in sich hinein, ob das so stimmt. Denn ab jetzt können Sie sich keine Schwäche leisten.
Suchen Sie sich deshalb jemanden, der Ihnen in der nächsten Zeit professionell zur Seite steht, zum Beispiel einen Coach.
So können Sie anstrengende Situationen besser meistern.

Szenario zwei: Sie geben die Führungsaufgabe ab

Sie sind schon viele Jahre im Unternehmen und offensichtlich eine geschätzte Mitarbeiterin.
Als Teamleitung im Rechnungswesen haben Sie vermutlich jeden Winkel des Betriebs kennengelernt.
Vielleicht gibt es ein Gebiet, das Sie schon lange interessant finden?
Wenn Sie Ihre bisherige Führungsaufgabe nicht wieder übernehmen wollen, überlegen Sie sich, wo Sie stattdessen Ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen können, ohne Personalverantwortung zu haben.
Wenn Sie eine klare Vorstellung von Ihrer Zukunft im Unternehmen haben, sprechen Sie mit dem Geschäftsführer über Ihre Wünsche. Machen Sie aber deutlich, dass eine Degradierung aufgrund Ihrer Auszeit für Sie keine Option ist:
„Nach dem Tod meines Mannes hatte ich eine schwere Zeit. Aber ich möchte auch weiterhin eine verantwortungsvolle Aufgabe im Unternehmen übernehmen. Ein Zurück in die Sachbearbeitung kann ich mir nicht vorstellen.“
So lassen Sie sich spätere Karriereschritte offen und bekommen nicht das Etikett aufgedrückt, nicht mehr belastbar zu sein.

Szenario drei: Sie wagen einen beruflichen Neuanfang

Ein drittes Szenario sollten Sie ebenfalls bedenken – und zwar dann, wenn es im Unternehmen keine Position gibt, die Ihren Vorstellungen von einer beruflichen Zukunft entspricht.
Dann sollten Sie ganz in Ruhe über eine neue berufliche Perspektive nachdenken.
Tiefgreifende Veränderungen und Umbrüche im privaten Umfeld können lähmen – aber sie können nach der Zeit des Abschieds auch neue Wege eröffnen.

Egal, für welches Szenario Sie sich entscheiden: Eine professionelle Unterstützung kann Ihnen in dieser Zeit eine wichtige Hilfe sein.

 

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