Mitarbeiter möchte unerwartet in den Vorruhestand

Vorzeitiger Ruhestand

In der Serie „Unter vier Augen mit dem Coach“ beantworte ich Fragen meiner Klientinnen und Klienten. Im dritten Teil sucht ein Geschäftsführer meinen Rat, dessen Mitarbeiter unerwartet früh in den Ruhestand gehen möchte.

Ich bin Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Mit rund 130 Beschäftigten stellen wir Sondermaschinen her. Unsere Vertriebsmitarbeiter sind Ingenieure, die ein enges Verhältnis zu unseren Kunden haben und wichtige Impulse an unsere Entwicklungsabteilung geben. Völlig überraschend hat ein Vertriebler angekündigt, demnächst mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Rechtlich erfüllt er alle Voraussetzungen. Aber für uns ist das eine Katastrophe. Der Mann ist hochmotiviert und gesundheitlich topfit. Ich würde ihn gerne überzeugen, doch noch länger im Unternehmen zu bleiben. Wie mache ich das am besten?

Überraschend, aber gut durchdacht

Auch wenn die Mitteilung für Sie aus heiterem Himmel kommt: Auf Seiten der Mitarbeiter sind solche weitreichenden Entscheidungen meistens lange geplant und gut überlegt. In einem Gespräch unter vier Augen können Sie den Mitarbeiter nach den Gründen für seinen Entschluss fragen.

Ursachen und Alternativen

Hat es mit dem Unternehmen zu tun? Kommt Ihr Mitarbeiter nicht mehr so gut mit den jungen Kollegen klar? Gibt es Probleme im Team oder in der Zusammenarbeit? Dann könnte ein Team-Coaching entlastend sein. Empfindet der Mitarbeiter den Arbeitsdruck als sehr hoch? Möchte er einfach weniger arbeiten, und wäre eine reduzierte Arbeitszeit die Lösung?

Vielleicht möchten der Mitarbeiter und seine Partnerin sich einen langgehegten Wunsch erfüllen und die Welt zu Wasser oder auf dem Landweg umrunden? Und wenn ja: Wie konkret sind seine Pläne? Wenn es noch keinen Starttermin gibt, ließe sich vielleicht ein Zeitfenster aushandeln, in dem der Mitarbeiter dem Unternehmen noch zur Verfügung steht. Wenn die Tickets bereits gebucht sind, könnten Sie klären, ob er nach seiner Rückkehr noch einmal für eine begrenzte Zeit für Sie tätig sein möchte.

Sie können auch fragen, wie sich der Mitarbeiter seinen Ruhestand vorstellt. Welche Pläne hat er für die neue Lebensphase? Möchte er Ihrem Unternehmen vielleicht noch als Berater zur Verfügung stehen?

Konkrete Angebote

Loten Sie in diesem Gespräch alle möglichen betrieblichen Ursachen für den vorzeitigen Ruhestand aus. Signalisieren Sie Ihrem Mitarbeiter, dass Sie bereit sind, alles zu tun, damit er zufrieden ist und sich an seinem Arbeitsplatz (wieder) wohlfühlt.

Ihr Mitarbeiter und sein Know-how sind enorm wichtig für das Unternehmen, und Sie schätzen ihn sehr. Haben Sie ihm das schon gesagt? Vielleicht hat er das noch nie aus Ihrem Mund gehört.

Wenn seine Gründe und Ihre Angebote auf dem Tisch liegen, geben Sie dem Mitarbeiter ausreichend Zeit, sich zu entscheiden. Insistieren Sie nicht. Aber vereinbaren Sie einen verbindlichen Termin für seine Antwort. Und machen Sie deutlich, dass Sie seine Entscheidung in jedem Fall respektieren werden – auch wenn Sie nicht zu Ihren Gunsten ausfällt.

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