Arbeitszeugnisse – wie wichtig sind sie bei der Jobsuche

Wenn es um die Suche nach dem Traumjob geht, werde ich von meinen Klienten oft auf das Thema Arbeitszeugnis angesprochen.

„Kann ich denn überhaupt schon mit der Jobsuche beginnen, obwohl ich noch bei meinem bisherigen Arbeitgeber tätig bin. Kann ich mich auch ohne aktuelles Arbeitszeugnis bewerben?“

Im Bewerbungsverfahren gilt immer noch Vertraulichkeit.
Wer also noch beschäftigt ist, kann sich darauf verlassen, dass der bisherige Arbeitgeber nichts davon erfährt.
Aufpassen sollten Sie allerdings, wenn es ein Unternehmen ist, das geschäftliche Kontakte zu Ihrem aktuellen Arbeitsgeber hat.

Ein qualifiziertes Zeugnis

In Deutschland hat jeder Beschäftigte Anspruch auf ein sogenanntes qualifiziertes Arbeitszeugnis, wenn derjenige entsprechend lange in einem Unternehmen tätig war.
In diesem Zeugnis werden die Arbeitsaufgaben beschrieben, eine Leistungs-Einschätzung vorgenommen und das Verhalten gegenüber Kollegen, Führungskräften und externen Stellen beurteilt.
Das Zeugnis muss einerseits wahr und andererseits wohlwollend abgefasst sein, um das berufliche Fortkommen des ehemaligen Mitarbeiters nicht zu behindern.
Bewerben Sie sich aus einer laufenden Beschäftigung heraus, kann kein aktuelles Zeugnis vorliegen.
Das Arbeitszeugnis wird üblicherweise erst nach dem Ausscheiden erstellt.

Arbeitszeugnisse sind ein beliebter Streitpunkt vor deutschen Arbeitsgerichten:
Manchmal fehlen notwendige Angaben, manchmal vermuten Beschäftigte einen versteckten Zeugniscode hinter den Formulierungen.
Solange der (Rechts-) Streit andauert gibt es kein gültiges Zeugnis.
Ehemalige Vorgesetzte und Personalabteilungen lassen sich oft sehr viel Zeit, bis das Zeugnis endlich fertig ist. Arbeitszeugnisse zu erstellen nehmen viele als lästige Verpflichtung wahr, vor der sie sich so lange wie möglich drücken.

Interessante Forschungsergebnisse

Wie sieht eigentlich die Praxis in Unternehmen aus, die eine Stelle besetzen wollen.
Welche Rolle spielt das Arbeitszeugnis?
Das haben die Betriebswirtschaftlerin Steffi Grau und Prof. Dr. Klaus Watzka erforscht – mit ernüchternden Ergebnissen.

Die Studie legt den Schluss nahe, dass die Anfertigung von Arbeitszeugnissen über weite Strecken nur noch ein sinnfreies Ritual ist:
Viele Unternehmen führen schwache Leistungen oder unangemessenes Verhalten erst gar nicht auf, weil sie eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden wollen.
Mit der Pflicht zur Wahrheit nehmen sie es dabei nicht so genau.

Weitere Erfahrungen aus der Praxis

Für das Unternehmen ist die Beschreibung der Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten ausschlaggebend. Darauf sollten Sie besonders achten, wenn Sie ein Unternehmen verlassen.
Wenn Sie lange im selben Betrieb tätig waren, ist eine korrekte Beschreibung des innerberieblichen Werdegangs und der verschiedenen Positionen besonders wichtig.
So kann der Leser erkennen, ob eine gewisse Entwicklung im Verlauf der Betriebszugehörigkeit stattgefunden hat.
Das Unternehmen kann so bereits bei der Vorauswahl entscheiden, ob ein Bewerber die fachlichen Voraussetzungen für die zu besetzende Stelle mitbringt.
Außerdem muss im Zeugnis ausgeführt werden, aus welchem Grund das Arbeitsverhältnis beendet wurde.
Haben Sie selbst gekündigt oder wurde ihnen vom Unternehmen gekündigt?

Referenzen und Netzwerke

In vielen anderen Ländern – und damit auch in vielen international aufgestellten Unternehmen – ist es heute schon üblich, nach Referenzen zu fragen.
Wenn Sie vorhaben zu kündigen, versuchen Sie jemanden im Unternehmen zu finden, der bereit ist, eine positive Referenz zu verfassen.
Es sollte jemand sein, mit dem Sie wenigstens mittelbar zusammengearbeitet haben.

Bei der Einschätzung interessanter Kandidaten, schauen sich Unternehmen gezielt die Accounts bei Facebook, Twitter und Instagram, bei Xing und LinkedIn an.
Auch ein privat betriebener, aber öffentlicher Blog kann zu einem positiven oder negativen Eindruck beitragen.
Alles in allem ist das Arbeitszeugnis heute also nur noch eine Quelle unter vielen, um einen Bewerber schon vor dem ersten persönlichen Kontakt einschätzen und einordnen zu können.

Also auch ohne aktuelles Arbeitszeugnis können Sie Ihren Traumjob finden.


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