Die ersten hundert Tage im neuen Job

Einarbeitung?

Immer wieder höre ich von Unternehmen, wie schwierig es ist, gute, passende Fachkräfte zu finden.
Als Antwort auf meine Frage:
"Wie gestalten Sie die ersten Arbeitstage eines neuen Mitarbeiter?", sehe ich meisten Fragezeichen in den Augen meines Gegenübers.
Eine neue Studie von Stepstone - einer Jobbörse- finde ich deshalb ganz spannend:

  • Nur jede zweite Fachkraft wird an ihrem ersten Arbeitstag von ihrem Vorgesetzten persönlich begrüßt.
  • Jeder Sechste erlebt, dass das Team nicht wusste, dass ein neuer Kollege seinen Arbeitsbeginn hat.
  • Mehr als ein Drittel der Fachkräfte hat am ersten Arbeitstag weder ein einsatzbereites Telefon noch ist ein Computer für ihn vorhanden oder eingerichtet.
  • Nur jeder Dritte erhält eine strukturierte fachliche Einarbeitung
  • Viele Mitarbeiter wollen während der Probezeit Feedback, nur jeder zweite erhält es.
  • Oft stimmen auch die beschriebenen Aufgaben in der Anzeige oder dem Bewerbungsgespräch mit der Realität nicht überein.

Obwohl die ersten zwei Wochen im neuen Job überwiegend positiv bewertet werden, gab rund jede dritte Fachkraft an, schon einmal während der ersten zwölf Monate oder während der Probezeit eine Stelle aufgegeben zu haben.

Das sind Ergebnisse aus der Studie „Onboarding im Fokus“ von Stepstone.
Es wurden etwa 13 000 Fach- und Führungskräfte über ihre Erfahrungen befragt.

Wenn der Job so aussieht wie versprochen?

Auch ich habe es schon selbst erlebt. Ich war nach vier Wochen soweit meinen neuen Job zu kündigen.
Vier Wochen in denen ich tagelang Bewerbungsunterlagen kopierte.
Alle Aufgaben die die keiner machen wollte wurden zu meinen Aufgaben bekam.
Hatte ich eine Frage wurden ich auf den Ordner y oder x verwiesen, dort würde ich die Antwort finden.
Erst als meine Kündigung auf dem Tisch lag, war mein Chef an einem Gespräch interessiert.*

Es ist durchaus kein Knick im Lebenslauf, wenn jemand in der ersten Monaten im Job kündigt.
Aus meiner Sicht ist dies besser, als sich noch weitere zwei oder drei Jahre zu quälen.

Mich wundert nur, dass Unternehmen diese ersten Monate immer noch nicht besser nutzen.
Es ist die Chance Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.
Personalsuche ist zeit- und kostenintensiv.
Wenn eine planvolle Einarbeitung stattfindet ist es die Chance, früh auf Missverständnisse, fachliche Defizite oder anderes zu reagieren.
Das Unternehmen kann frühzeitig erkennen, ob der neue Mitarbeiter den Anforderungen des Arbeitsplatzes gewachsen ist.
Geld und Zeit in eine gute Einarbeitung zu investieren wird sich schnell rechnen.

Wer mehr Details aus der Studie erfahren will - hier geht’s zum Download

*PS: ich bin dann fünf Jahre geblieben und habe erst nach der dritten Fusion gekündigt.

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