Telearbeit oder Home-Office? Ein Unterschied?

Mai 10, 2021

Home-Office

Telearbeit  von zu Hause aus zu arbeiten - es gab eine Zeit, in der Berufstätige um diese Möglichkeit kämpfen mussten. Das war vor der Krise.

In Zeiten von Corona entdeckt die Politik eine neue Arbeitsform – das Home-Office. Dabei ist Telearbeit keine Erfindung des 21sten Jahrhunderts. Wussten Sie, dass es die Idee der Telearbeit bereits seit 1973 gibt?

Ein Blick in die Vergangenheit, auf die Gegenwart und die Zukunft


Telearbeit – wie alles anfing

Während der Ölkrise 1973 (Benzin war knapp und teuer) – suchte man in den USA nach Lösungen, um die individuellen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zu reduzieren. Die Idee war, nicht den Menschen zur Arbeit, sondern die Arbeit zum Menschen bringen. In Deutschland setzte diese Diskussion in den 80er Jahren ein. Es wurden die verschiedensten Begriffen diskutiert. Mit der Zeit setzte sich der Begriff „Telearbeit“ durch.


Telearbeit und Gewerkschaften

Den Gewerkschaften war diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Sie befürchteten die Ausbeutung und Vereinsamung 'elektronischer Heimarbeiter' und stempelten diese Form der Arbeit als 'elektro­nische Einsiedelei' ab.  Am liebsten hätten sie diese Form der Arbeit verhindert. 


Telearbeit und deutsche Unternehmen

In den 80er Jahren gab es in Deutschland so gut wie keine Telearbeitsplätze. Die Technik entwickelte sich immer weiter. Doch in Deutschland blieb diese Arbeitsform bis heute immer ein Stiefkind. Ganz im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern.

Zahlreiche Studien bewiesen, wie effizient Telearbeit sein kann – Unternehmen und Politik ließen sich davon nicht beeindrucken. Lag es daran, dass in dieser Zeit besonders Frauen ein großes Interesse an Telearbeit hatten?  Sie wollten im Job bleiben und gleichzeitig eine bessere Work-Life-Balance erreichen.

Bei meinem Arbeitgeber – es waren mittlerweile die 90er Jahre, liefen die Diskussion immer gleich: Arbeitsrechtliche Bedenken, die Berufsgenossenschaft, die Investition in technisches Equipment, der Datenschutz und was auch immer. Niemand wollte gute Gründe hören oder war zu einem Versuch bereit. Das änderte sich auch mit rasanten schnellen technischen Entwicklung nicht wirklich. Die Zahl der Telearbeiter nahm zwar zu, weil auch Männer die Vorzüge erkannten, aber so richtig beliebt war es bei vielen Arbeitgebern nicht.

Seit mehr als 40 Jahren ist bekannt, dass Telearbeit sich positiv auf die Produktivität auswirkt. Der Zeitgewinn bringt mehr Lebensqualität, weil es lange Fahrwege nicht mehr gibt. Die Umwelt und Ressourcen werden geschont.

Dass diese Vorzüge erst mit dem Auftauchen eines Virus ernst genommen werden, ist besonders für Deutschland eine traurige Bilanz. Gerade weil das Potenzial dieser Arbeitsform nicht ernst genommen wurde, hat man es versäumt, eine gut funktionierende digitale Infrastruktur aufzubauen.


Was steckt hinter dieser Ablehnung?

Wir haben in Deutschland eine Anwesenheitskultur. Egal wie effizient wir arbeiten – Hauptsache eingestempelt.  Telearbeit bedeutet Kontroll-Verlust – die Führungskraft kann nicht mehr überblicken, was die Mitarbeiter:innen den ganzen Tag so machen? Das Misstrauen gegenüber der eigenen Belegschaft war und ist riesengroß. Die Unternehmensleitung und Führungskräfte sind gefordert, ihr Führungsverhalten zu überdenken und dazu sind die meistens schlicht nicht bereit

Sicher ist Telearbeit nicht die Lösung für alle Fälle. Sie ist nicht für jeden Beruf und alle Mitarbeiter:innen geeignet. Vielen fehlt der soziale Austausch und die gemeinsame Arbeit. Es erfordert Differenzierung bei der Zuweisung von Telearbeit.


Telearbeit oder Home-Office – ein Unterschied?

Bei der Telearbeit war vorgesehen, dass der Arbeitgeber Computer, LAN, Telefon auf seine Kosten zur Verfügung stellt. Auch eine anteilige Miete war möglich, wenn der Telearbeiter einen eigenen Arbeitsraum hatte. (Das war fast Voraussetzung für die Genehmigung des Telearbeitsplatzes.)

Heute hat fast jeder einen Computer oder Tablet, der darf dann auch gern ohne Entschädigung im Home-Office genutzt werden. Auch Router und Räumlichkeiten stellen Angestellte kostenlos zur Verfügung. Wie ist es eigentlich mit Datenschutz und Vertraulichkeit? Wer kümmert sich um Ergonomie und Beleuchtung am Arbeitsplatz? Wo bleibt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers? Wo bleibt der Gesundheitsschutz für die Telearbeiter:innen?


Home-Office, die neue Form der Arbeit – The New Normal?

In meiner Zeit als Personalleiterin habe ich mir mehr Einsicht und Mut von Führungskräften gewünscht, um Telearbeit möglich zu machen. Der Widerstand war immer sehr groß. 

Heute sehen viele eine neue Arbeitswelt auf uns zukommen – die Entwicklung zum Home-Office wird man nicht mehr aufhalten können! Wirklich????

Es sind weiterhin die Unternehmensleitung und die Führungskräfte, die über den Arbeitsplatz entscheiden. Der Arbeitgeber hat ein eindeutiges Weisungsrecht, wenn es um den Arbeitsort geht.

Die Gewerkschaften sind im Moment zwar leise, aber begeistert vom Home-Office sind sie keines Falls. Sie wollen rechtliche Regelungen, Vorschriften zu Arbeitszeiten, Bürostuhl etc.

Erich Schweitzer – Präsident der DIHK sagte im Juli 2020 der dpa "Wir werden nicht wieder in die Zeit von vor Corona zurückkehren. Wir haben auch gemerkt, dass wir vieles doch mobil erledigen können, was wir bis dahin nicht für denkbar gehalten haben. Allerdings dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, alles von Zuhause aus erledigen zu können. Die meisten Unternehmen lassen sich auf Dauer nicht vom Rechner aus steuern.  ...... Die Geschäftsreise ist in einer globalisierten Welt immer noch ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor."

Die Diskussion für die Zeit nach Corona ist noch lange nicht gestartet. Ob sich in den Köpfen wirklich etwas geändert hat, wird die Zukunft zeigen. Ich bin gespannt.

Was halten Sie vom Home-Office oder Telearbeit? Wie geht es Ihnen damit?

Schreiben Sie gern einen Kommentar oder ein Email.



PS: es gab ganz spannende Ideen für Telearbeit

Satellitenbüros

Heute würden sie wohl eher Co-Working-Space heißen.

Die Idee: Der Arbeitgeber mietet in einer Region, in der einige Mitarbeiter:innen wohnen, Büro-Räume an. So haben die Angestellten einen kürzeren Arbeitsweg, aber trotzdem soziale Kontakte.

Nachbarschaftsbüro

Die Idee: Ein privater Vermieter bietet wohnortnahe Büroräume für Einzelpersonen an und stellt die Infrastruktur (W-LAN, Telefon) zur Verfügung. Diese Büroräume können von unterschiedlichen Unternehmen genutzt werden. Die Business-Center in großen Städten und auch einige Hotels haben dieses Konzept übernommen

Alternierende Telearbeit

Die Mitarbeiter:innen sind z.B. zwei Tage an ihrem Telearbeitsplatz und drei Tage im „alten“ Büro.

Mobile Telearbeit

Die Mitarbeiter:innen sind nicht mehr an einen festen Ort gebunden, sondern können überall auf der Welt arbeiten.


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