Ihrem Chef „mal so richtig die Meinung sagen“ – haben Sie sich schon mal bei diesem Gedanken ertappt? Dem eigenen Ärger endlich rauslassen?

Keine gute Idee – eine der wichtigsten Grundregeln:

Feedback nur mit kühlem Kopf und guter Vorbereitung. Das gilt für jedes Gespräch. Wenn Sie oder Ihr Gegenüber gerade emotional aufgewühlt sind, dann sollten Sie kein grundsätzliches Gespräch führen.

Sie sollten allerdings auch nicht zu lange warten. Die Erinnerung an eine Situation sollte für alle Beteiligten noch frisch ist.

Das Jahresgespräch kann ein guter Anlass sein, der Chefin oder dem Chef Feedback zu geben - wenn es um aktuelle Situationen geht. Es sollte keine lange Liste der persönlichen Verfehlungen Ihrer Führungskraft sein. Das geht mit Sicherheit ins Auge und wird die Arbeitsklima nicht verbessern.

Feedback sollte nicht nur auf negative Dinge beziehen, sondern auch auf positive Situationen sollten Sie Ihrer Führungskraft Feedback geben.

Chef oder Chefin Feedback geben

Nur wenn Sie Dinge ansprechen, kann Ihre Führungskraft erkennen, dass etwas nicht stimmt. Eine Führungskraft hat viele Aufgaben und Mitarbeitende, um die sie sich kümmern muss.

Daher sollten Sie den ersten Schritt machen und um ein Gespräch bitten. Das klingt einfach, doch es gehört für die meisten Mut dazu mit der Chefin oder dem Chef zu sprechen.

Es könnte ja sein,

  • Sie treffen auf Unverständnis oder stehen als Nörglerin oder Nörgler da
  • Sie befördern sich ins Abseits oder stehen anschließend auf der Abschuß-Liste
  • die Situation verschlechtert sich nach dem Gespräch

Feedback trägt dazu bei,

  • dass jemand sein Verhalten korrigieren kann oder ein produktiverer Weg gefunden werden kann
  • einen effektiveren Arbeitsstil zu fördern oder dazu anregen
  • die persönliche Leistungsfähigkeit verbessern
  • die Beziehung zur Führungskraft, Kolleginnen und Kollegen zu verbessern

Feedback – freiwillig und ohne Verpflichtung

Grundsätzlich sollten Sie nachfragen, ob jemand Feedback erhalten möchte. Das gilt insbesondere auf für Ihre Chefin oder Ihren Chef. Viele Vorgesetzte haben nahezu Angst vor dem Feedback Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor allem wenn dieses Feedback eher Kritik als Lob ist.

Feedback braucht Vertraulichkeit

Nur unter vier Augen im geschützten Raum, hinter verschlossener Tür. Was Sie zu sagen haben geht nur Sie und Ihre Führungskraft etwas an. Auch nach dem Gespräch gilt: kein Wort darüber zu anderen – es sei denn Sie vereinbaren etwas anderes.

Feedback verlangt Achtung

Wenn Sie jemanden das erwünschte Feedback geben, vergessen Sie nicht, dass Ihr Gegenüber die Freiheit der Wahl haben. Sie können und sollten niemanden zwingen sich zu verändern. Das funktioniert auf keinen Fall. Wenn Sie die Selbstbestimmung, Einmaligkeit und Würde jedes Menschen achten, schaffen Sie Raum für Lernen und Entwicklung. Wir können nur uns selbst ändern.

Termin machen

Ein Feedback-Gespräch braucht Zeit, Ruhe und Vorbereitung – machen Sie auf jeden Fall einen Termin – „ich möchte mit Ihnen über das Meeting vorgestern sprechen. Mir sind ein paar Dinge aufgefallen. Wann hätten Sie Zeit?“

Gute Vorbereitung – beobachten nicht bewerten

Mit Hilfe eines Notizbuchs können Sie Situationen in denen Ihnen etwas missfallen hat festhalten. Nicht nur negative Dinge, sondern auch Positives. Beschreiben Sie die Situation so genau wie möglich. Das Aufschreiben hilft Ihnen dabei, die Situation objektiver einzuschätzen.

Bei der Beobachtung ist es wichtig, sachlich zu bleiben und die Situation so genau wie möglich zu beschreiben. Keine Romane, sondern kurz und knackig auf den Punkt gebracht.

Die Auswirkungen

Was hat das Verhalten Ihrer Führungskraft bei Ihnen ausgelöst? Schreiben Sie alles auf, damit Sie es später Ihrer Chefin oder Ihrem Chef schildern können. Hier geht es nur um Sie und wie das Verhalten Ihrer Führungskraft auf Sie gewirkt hat. Sie sprechen nicht für andere. – Typisch für die Phase des Gesprächs: ICH-Botschaften.

„Das hat dazu geführt, dass ich .... / Das hat auf mich gewirkt, wie eine Kritik oder ....“

Gewünschte Veränderungen

Was hätte Ihre Führungskraft besser machen können? Statt einen Vorschlag zu machen, warten Sie ab, ob Ihre Führungskraft einen Vorschlag macht oder nachfragt – z.B. „Was könnte ich aus Ihrer Sicht anders machen, damit das nicht passiert?“ Das ist die bessere Lösung – klappt aber nicht immer.

Einen Verbesserungsvorschlag zu formulieren hat immer das Risiko, das er abgelehnt wird. Der Versuch lohnt sich trotzdem z.B. „Ich könnte mir vorstellen, wenn wir uns mehr Zeit nehmen, um etwas zu besprechen, würden auch weniger Fehler passieren.“

Es bleibt der Führungskraft überlassen, ob Sie diesen Vorschlag annimmt!!!!!

Das Feedback-Gespräch vorher üben

Sie fühlen sich unsicher? Haben Angst, dass Ihnen die Worte fehlen, wenn Sie Ihrer Führungskraft gegenübersitzen? Dann üben Sie das Gespräch vorher. Spielen Sie mit Freunden oder Familie die Situation durch. Zur Not funktioniert es auch vor einem Spiegel. So finden Sie die richtigen Wort und haben zusätzliche Sicherheit.

Das Feedback-Gespräch

Keine Schuldzuweisungen und Vorwürfe. Der Grund für das Gespräch: etwas an der bestehenden Situation zu ändern. Argumentieren Sie sachlich, bloß nicht emotional werden. Durch Schuldzuweisungen verschließt sich Ihr Gegenüber und reagiert abwehrend. Geben Sie die konkreten Beispiele, die Sie sich notiert haben. Verzichten Sie auf Wörter wie „immer“, „jedes Mal“, „absolut“. Diese Verallgemeinerungen sind immer falsch.

Achten Sie auf Ihre Körpersprache, sie verrät, wie es Ihnen wirklich geht. Halten Sie den Blickkontakt, sinken Sie nicht auf dem Stuhl zusammen. Sprechen Sie laut genug und selbstbewusst.  Sie helfen Ihrer Führungskraft dabei, besser zu werden.

Wenn Ihre Führungskraft nicht nachhakt, stellen Ihre Lösungsvorschläge sachlich vor. Sie dienen nur als Diskussionsgrundlage! Wenn Ihre Chefin oder Ihr Chef das Gefühl behält, selbst mitwirken zu können, klappt die Veränderung besser.

Ein Beispiel:

Ihr Chef gibt Ihnen immer wieder Aufgaben zwischen Tür und Angel. Meistens auch noch mit Termindruck. Wenn Sie sich an die Aufgabe machen, stellen Sie meistens fest, dass Ihnen wichtige Informationen fehlen, die sie sich nun mühsam beschaffen müssen.    Sie ärgern sich schon lange darüber, haben aber bisher nichts unternommen. Als Sie ihm gestern die Unterlagen übergeben, entdeckt Ihr Chef einen Fehler und putzt Sie auch noch runter. – Sie beschließen, so kann es nicht weitergehen. Zwei Tage später fassen Sie Ihren ganzen Mut zusammen und bitten um ein Gespräch.

„Hallo Chef, ich möchte mit Ihnen über unser Gespräch vorgestern sprechen. Wann haben Sie eine halbe Stunde Zeit für mich?“

Worum geht es:

„Als ich Ihnen vorgestern die Unterlagen gegeben habe, habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, als Sie den Fehler kritisierten. Mir fehlten Unterlagen und so konnte ich den Fehler gar nicht erkennen.“

Vorschlag:

„Ich würde mich sicherer fühlen, wenn wir die Aufgabe kurz in Ruhe besprechen könnten. Dann weiß ich genau, was ich zu tun habe und kann Fehler in Zukunft vermeiden.“


Feedback garantiert gute Zusammenarbeit

Feedback ist für alle Menschen wichtig, denn darin liegt die Chance zur Veränderung. Das gilt zwischen Kolleginnen und Kollegen, zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden, aber auch gegenüber einer Chefin oder einem Chef.

Ihre Führungskraft macht wieder und wieder den gleichen Fehler. Sie ärgern sich jedes Mal darüber und Ihre Wertschätzung sinkt jedes Mal dabei. (Außerdem ist es ungesund Dinge in sich hinein zu fressen.) Nur durch Feedback, hat Ihre Chefin oder Ihr Chef die Möglichkeit sich zu verändern.

Wenn es eine gute und wertschätzende Feedback-Kultur gibt, kann sich ein gutes Miteinander entwickeln. Feedback gut vorbereitet, sachlich übermittelt und mit einem Lösungsvorschlag - davon können alle nur profitieren.


Haben Sie schon einmal den Mut gehabt, Ihrer Führungskraft Feedback zu geben?

Wann hat Ihnen ein Feedback schon mal sehr geholfen?

Bleiben Sie auf dem Laufenden. 

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