Kann ich Führung lernen?

Dezember 25, 2020

Kann ich Führung lernen

Auf diese Frage kann ich nur mit einem entschiedenen “Jein” antworten. Sie können sehr viel über an Führungstechniken lernen. Um eine erfolgreiche Führungskraft zu werden oder zu sein, müssen Sie ein paar Eigenschaften von Haus aus mitbringen. Dazu mehr in meinem Blogartikel.

Als Personalleiterin habe ich es immer wieder erlebt, wie sehr Mitarbeiter*innen unter einer Führungskraft leiden können. Oft führt es sogar zu Kündigungen. Denn es passiert immer wieder, dass jemand Führungskraft wird

  • weil er/sie lange im Unternehmen ist und jetzt mal dran ist
  • weil er/sie eine gute Fachkraft ist, der jetzt etwas Gutes getan wird
Ente wird nicht zum Adler

Aus einer Ente macht man keinen Adler

Einer guten Fachkraft tut man nicht unbedingt etwas Gutes, sondern oft entwickelt sich diese Beförderung zu einem Albtraum.

Die Fachkraft leidet, weil sie völlig überfordert ist mit der Rolle als Führungskraft. Weil sie sich viel lieber um fahliche Themen kümmern würde

Die Mitarbeiter*innen leiden, weil sie eine Führungskraft haben, die nicht führt und die vor Entscheidungen zurückschreckt. Weil sich ihre Führungskraft ständig in die fachlichen Dinge einmischt. Weil die Führungskraft fachliche Themen an sich reißt und selber macht.

Das Ganze dann noch gepaart mit schlechter Kommunikation wird irgendwann zur Super-Gau. Die gestresste Führungskraft steht kurz vor dem Burn-Out. Der Druck auf sie wird immer größer, weil die Produktivität des Teams nachgelassen hat. 

Die Mitarbeiter*innen haben innerlich gekündigt. Die meisten schauen sich nach einem neuen Job um oder haben die Führungskraft  bereits verlassen.


Mein entschiedenes „Jein“ – was muss eine Führungskraft mitbringen


Die Bereitschaft und Fähigkeit zur Selbstreflexion

Wenn der Projekttermin nicht gehalten wurde, lag das wirklich an den Mitarbeitern? Waren wirklich alle Termine abgesprochen worden? Habe ich mich ausreichend um die Mitarbeiter gekümmert? Können die Mitarbeiter/innen wirklich ohne Angst zu mir kommen, wenn etwas aus dem Ruder läuft oder sie einen Fehler gemacht haben?Was ist mein Anteil an der schlechten Stimmung im Team?

Selbstreflexion bedeutet, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Nicht reflexartig die Schuld bei den Mitarbeitern zu suchen. Wie sieht es aus bei Ihnen mit dieser Fähigkeit?


Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen

Als Führungskraft sind sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr Team verantwortlich. Wenn jemand in ihrem Team einen Fehler macht, ist es ihre Verantwortung. Sie müssen dafür sorgen, dass diese Fehler nicht oder nicht wieder passieren.

Sie werden für diesen Fehler gegenüber der Geschäftsleitung gerade stehen müssen. Es ist ein billiger Trick, die Verantwortung auf den Mitarbeiter / die Mitarbeiterin zu schieben. Dieses Verhalten wird Ihnen Ihr Team nicht verzeihen. Es bedeutet einen tiefen Riss zwischen Ihnen und Ihrem Team. Vertrauen geht verloren

Die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen / Prioritäten zu setzen

Als Führungskraft müssen Sie immer wieder Entscheidungen treffen – es muss Ihnen regelrecht Spaß machen Entscheidungen zu treffen. Nicht alle Ihre Entscheidungen werden Begeisterung auslösen. Manche Entscheidungen haben massive Auswirkungen auf andere, wie z.B. eine Kündigung. Sie entscheiden, was wichtig ist und was zuerst erledigt wird. Ihr Team erwartet klare Aussagen von Ihnen.

Nicht jede Entscheidung können Sie mit Ihrem Team erarbeiten. Nicht bei jeder Entscheidung können Sie Ihr Team ins Boot holen. – Wichtig: Sie müssen zu Ihrer Entscheidung stehen – erklären Sie aber Ihrem Team, welche Gründe für diesen Weg sprechen

Die Bereitschaft Konflikte, zu erkennen und zu lösen


Nicht ist schlimmer, als ein Vorgesetzter, der die Augen zu macht, wenn es zu Unstimmigkeiten im Team kommt. Es ist die Aufgabe einer Führungskraft diese Unstimmigkeiten zu erkennen und aus der Welt zu schaffen. Zu hoffen, es wird sich schon von selbst lösen – kann nicht ihr Weg sein.

Die Liste ließe sich noch verlängern, aber eine weitere wichtige Eigenschaft kommt aus meiner Sicht hinzu: 

Eine Führungskraft muss lernbereit und offen für Veränderungen sein. Sie sollte über den Tellerrand schauen und gerne Netzwerke aufbauen. Nur wenn eine Führungskraft an das Gute im Menschen glaubt, kann sie Vertrauen aufbauen.


Was kann kann eine Führungskraft erlernen?

gute Kommunikation

  • genau hin zu hören – das Motiv hinter dem Gesagten verstehen
  • bestimmte Fragetechniken – keine Verhöre, sondern mit Wertschätzung
  • Meetings führen – Moderieren, Time-Keeping, Tagesordnung
  • die eigene Sprache verbessern – welche Worte in meiner Sprache können andere missverstehen oder verletzten

Ziele zu formulieren

  • die berühmte SMART-Formel
  • positive Zielbeschreibungen
  • Meilensteine für die Zielerreichung

strategische Planung

  • auch dafür gibt es jede Menge Trainings und Tools

Heute kommt der Aspekt der virtuellen Führung noch dazu. Gute Kommunikation , Zielformulierungen und Entscheidungsstärke sind auch in diesem Bereich der Führung wichtig. Die technischen Tools lassen sich schnell lernen. Denn eine gute Führungskraft ist offen für Neues und Veränderungen


Will ich Führungskraft sein?

Wenn ich früher Hochschulabsolventen eingestellt habe, gab es die klassische Frage: „Welche beruflichen Ziele haben Sie sich gesetzt?“  Eine häufige Antwort: „Ich möchte eine Führungsaufgabe übernehmen“

Ein verständliches Ziel. Eine Führungsaufgabe ist mit mehr Geld, mehr Prestige und mehr Macht ausgestattet. In manchen Unternehmen gibt es dann einen Firmenwagen, ein neues Büro, einen neuen schicken Laptop oder ähnliches. 

Wer Führungskraft werden will, sollte diesen Wunsch sehr genau prüfen. – Selbstreflexion ist ja eine wichtige Eigenschaft einer Führungskraft. 

  • Will ich Verantwortung übernehmen? Halte ich den Druck aus, der auf mir lasten wird?
  • Will ich mich wirklich mit Menschen auseinandersetzen? Kann ich sie motivieren und mitreißen?
  • Will ich Verantwortung übernehmen für mich und andere? Auch wenn etwas schiefgeht.
  • Reizt mich das Geld, das Prestige, die Macht? Oder würde ich nicht viel lieber fachlich arbeiten?
  • Will ich in das politische System „Unternehmen“ einsteigen?

Das „politische System“ Unternehmen, erwartet von einer Führungskraft Loyalität. Nicht alle Entscheidungen werden nach sachlichen Gesichtspunkten gefällt. So kann es sein, das eine Entscheidung aus Rücksicht auf den Betriebsrat gefällt wird,  weil er sonst auf die Barrikaden geht.  

Oder:  Wenn Meyer befördert wird müsste man auch Müller befördern, sonst gibt es Zoff im Unternehmensbereich. Also befördert man beide, obwohl der eine keine gute Führungskraft sein wird oder gar nicht  Führungskraft werden möchte. 

Als Führungskraft müssen Sie diese Entscheidungen mittragen und vertreten - auch wenn es Ihnen nicht gefällt.

Ich selber bin immer gern Führungskraft gewesen, auch wenn es manchmal sehr anstrengend war. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte sich sicher sein – alle Voraussetzungen mitzubringen und unerschütterlich an das Gute im Menschen zu glauben.

Sie wollen herausfinden, ob Sie das Zeug zu einer Führungskraft haben? 

Lesen Sie hier mehr zum Thema Potenzialanalyse:  5 gute Gründe für eine Potenzialanalyse

oder sie schauen sich diese Seite meiner Homepage an: Potenzialanalyse

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