Wer sich mit einer Existenzgründung beschäftigt, stößt früher oder später auf das Thema „Kleingewerbe“. Was genau das ist und warum Sie nicht als Kleinunternehmen gründen sollten, dazu mehr in diesem Artikel

Definition KMU

Vielleicht haben Sie den Begriff KMU schon einmal gehört? Es geht um eine europäische Definition, welche Unternehmen klein und mittelständisch sind. Ein Kleinstunternehmen beschäftigt höchsten 10 Personen und macht nicht mehr als 2 Millionen Euro Umsatz. Ein Kleinunternehmen beschäftigt maximal 49 Personen, bei höchsten 10 Millionen Euro Umsatz. Ein mittleres Unternehmen beschäftigt höchsten 249 Menschen und erwirtschaftet nicht mehr als 50 Millionen Umsatz. Alle Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten sind KMU.

Definition Kleingewerbe / Kleinunternehmen

Grundsätzlich werden bei uns Gewerbebetriebe (z.B. Handwerker, Händler, Dienstleister) und freie Berufe unterschieden. Freie Berufe sind z.B. Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten.

In Deutschland herrscht grundsätzlich Gewerbefreiheit, soweit man die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, z.B. Gastronomie, Immobilienmakler. Wer ein Kleingewerbe hat, unterliegt nur den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Auch im Kleingewerbe wird Gewerbesteuer fällig.

Wer ein Kleinunternehmen hat unterliegt bestimmten Vorschriften über Umsatz bzw. Umsatzsteuer. Aktuell bedeutet das: wer im Vorjahr nicht mehr als 22.200 EUR Umsatz hatte – ist ein Kleinunternehmen. Im laufenden Geschäftsjahr darf der Umsatz maximal 50.000 EUR betragen.

Vorteile des Kleinunternehmens

Aus meiner Erfahrung ist das Thema Buchhaltung und Steuern bei Existenzgründerinnen und Existenzgründern nicht sehr beliebt.

Die erste Antwort, die ich höre: „Das macht mein Steuerberater“.

Ja, Sie müssen keine doppelte Buchführung machen. Aber Vorsicht: Nur wer versteht, was und warum ein Steuerberater etwas macht, kann seine Firma kaufmännisch führen. Ein schlechter oder unmotivierter Steuerberater kann viel von Ihrem Geld „verbrennen“. Wer gerade ein Unternehmen gegründet hat, ist nicht gerade ein lukrativer Kunde, denn der Umsatz ist oft noch nicht sehr hoch.

Die zweite Antwort: „Ich gründe ein Kleinunternehmen, dann muss ich mich nicht um die Umsatzsteuer kümmern“

Ja, bei Ihren Rechnungen müssen Sie keine Mehrsteuer dazu rechnen oder ausweisen. Daher müssen Sie auch keine Umsatzsteuer-Voranmeldung machen. Wenn Sie größere Anschaffungen machen, wie z.B. Büromöbel, Hard- und Software, ein Auto leasen oder ...., dann erhalten Sie Rechnungen mit Umsatzsteuer. Diese Umsatzsteuer können Sie nicht beim Finanzamt gelten machen. Somit werden Anschaffungen für Sie teurer.

Umsatzsteuer nicht ausweisen?

Bei einer Rechnung ohne Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer), können Sie preiswerter anbieten. Für den Privatkunden sicher ein Argument. Wenn Ihre Kunden Unternehmen oder Freiberufler sind, dann ist ein Kleinunternehmen nicht professionell. Das Signal, das Sie damit aussenden: ich traue mich nicht Geld zu verdienen, ich „muckel hier so vor mich hin“. Als Unternehmerin stört mich die Umsatzsteuer auf der Rechnung nicht – ich kann sie verrechnen. Im besten Fall erhalte ich einen Teil vom Finanzamt erstattet.

Wenn Sie also Ihren Kundinnen und Kunden auf Augenhöhe begegnen wollen, verzichten Sie auf die Kleinunternehmen-Regelung

Umsatz ständig um Auge behalten

Gehen wir davon aus, Sie haben Ihr Gründungsjahr überstanden und haben auch tatsächlich nicht mehr als 22.000 EUR Umsatz gemacht. Das heißt: bei jeder geschriebenen Rechnung, müssen Sie die Grenze überprüfen. Nur einmalig können Sie bis zu 50.000 EUR Umsatz machen. Was passiert, wenn Sie die Grenze regelmäßig überschreiten? Sie werden Umsatzsteuer pflichtig. Für Ihre Privatkunden bedeutet das aktuell eine Preissteigerung von 19% - ihre Geschäftskunden wird es nicht interessieren. Ganz blöd ist es, wenn das rückwirkend passiert.

Klein oder groß denken?

Ich rate meinen Existenzgründerinnen und – Gründern grundsätzlich von der Kleinunternehmen-Regelung ab. Warum ich das tue?

Wer sich entscheidet ein Unternehmen zu gründen, will von seinen Einnahmen ein gutes Leben führen. Niemand gründet, weil es ihm danach schlechter gehen soll. Wenn jemand zweifelt, dass die Geschäftsidee erfolgreich sein wird – dann besser gleich stoppen. Ein Umsatz von 22.000 EUR ist noch nicht der Gewinn, denn die laufenden Kosten müssen davon bezahlt werden – der Gewinn wird also deutlich geringer sein.

Ein Umsatz von 22.000 EUR das entspricht monatlichen Einnahmen von 1.834 EUR – ist das für Sie ein reizvolles Bruttogehalt? Wohl eher nicht.  Wahrscheinlich muss jeden Monat Geld aus der eigenen Tasche dazu bezahlt werden. Keine Bank der Welt wird einen Kredit geben, wenn als Kleinunternehmen gegründet wird. Im Gründungsjahr mag der Umsatz noch niedrig sein, aber es soll doch nach oben gehen. Wer sich selbst nicht zutraut, von seinen Einnahmen gut zu leben – wer sollte es dann tun?

Aus voller Überzeugung gutes Angebot vermarkten? – oder sich lieber wegducken? Bei jeder geschriebenen Rechnung ist die magische Zahl 22.000 EUR im Kopf – Wie soll so ein Unternehmen wachsen?

Kleinunternehmen-Regelung, heißt auch klein denken. Wer klein denkt, kann keine erfolgreiche Unternehmerin und kein erfolgreicher Unternehmer werden.

Ängste sind normal

Der Schritt zur Existenzgründung muss gut überlegt sein. Es gehört eine Portion Mut dazu, das sichere Einkommen als Angestellte oder Angestellter gegen die Unsicherheit einer Selbständigkeit einzutauschen. Deshalb bleibt es wichtig, genau zu recherchieren und zu planen, wie das Unternehmen wachsen soll. Was ist das Besondere an meinem Produkt oder meiner Dienstleistung?

Den Wettbewerb genau zu analysieren, um sicher zu sein – „Mein Angebot ist gut und hält jedem Vergleich stand“. Sich genau zu überlegen, wer sind meine Kundinnen und Kunden? Auf welchem Weg will ich diese Menschen ansprechen und für mein Unternehmen gewinnen?

Nur wer begeistert von seinem Angebot ist, kann andere gewinnen.

Fazit

Das Kleingewerbe oder Kleinunternehmen ist etwas für Menschen, die nebenberuflich etwas Geld verdienen wollen.  Wer von seinem Unternehmen leben möchte, sollte die Finger davon lassen. Eine Existenzgründung solle immer das Ziel haben, gut von seinen Einnahmen zu leben.

Steuern und Buchhaltung gehören zum Geschäft – ich möchte wissen wo ich mit meinem Business stehe. Am Anfang reichen eine einfache Excel-Datei und die Formulare im Elster-Portal. Sich darin einzuarbeiten ist allemal sinnvoller, als immer 22.000 EURO im Kopf zu haben. Meine Existenzgründerinnen – und Gründer habe ich immer überzeugt.

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