Gemeinsam Gründen – Vorsicht Fallen

Bevor Sie sich in die Planung Ihrer Selbständigkeit stürzen, stellen Sie sich diese Frage: 

Warum möchte ich zu zweit gründen?

  • Trauen Sie sich nicht es alleine zu machen?
  • Ist Ihnen die Verantwortung zu groß?

Wenn ja, lassen Sie die Finger von einer Existenzgründung. Es wäre nicht fair gegenüber Ihrer Mitstreiterin oder Ihrem Mitstreiter - so können Sie kein verlässliches Team aufbauen.

Idealerweise haben Sie nicht beide die gleichen Stärken, sondern können sich durch ihre Unterschiedlichkeit gut ergänzen. Doch ist das wirklich ein Vorteil? Können Sie mit diesem Anders-sein leben?

Was hilft der quirlige, kreative Kopf, wenn die Umsetzung der tollen Ideen nicht klappt? Wenn Pläne nicht rechtzeitig werden oder wichtige Termin nicht eingehalten werden?

Die Grundvoraussetzung jeder Zusammenarbeit sind verbindliche Absprachen! Sie müssen sich auf Ihre Geschäftspartnerin oder Ihren Geschäftspartner verlassen können. Darauf, dass gemeinsame Entscheidungen auch umgesetzt werden. Natürlich sollte jeder Selbständige seine Freiheiten genießen. Diese Freiheit endet allerdings da, wo sie die Freiheit des Geschäftspartners einschränkt. Wenn beispielsweise ein fester Abgabetermin mit einem Kunden vereinbart wurde, kann Ihre Geschäftspartnerin oder Ihr Geschäftspartner nicht ein paar Tage Urlaub nehmen - unter dem Motto: die oder der andere wird das schon alleine hinbekommen.

Ein Team arbeitet nur dann erfolgreich zusammen, wenn es gemeinsame Lösungen findet und dann getroffene Entscheidungen schnell und konsequent umsetzt.

Zu zweit gründen ? Vorher genau hinschauen

Wer sich entscheidet, sich mit jemanden gemeinsam Selbständig zu machen, sollte genau hinschauen.

  • Hat meine Geschäftspartnerin oder mein Geschäftspartner die Kompetenzen, die wir für die gemeinsame Gründung brauchen
  • Welche Ziele verbindet jeder von uns mit der Existenzgründung? Reich und berühmt werden oder uns selbst verwirklichen?
  • Wie wollen wir als Team wahrgenommen werden. Als gleichwertige Partner oder gibt es einen der im Vordergrund steht?
  • Wie wollen wir mit Kunden umgehen? Fair auf Augenhöhe oder Hauptsache Geld verdienen?
  • Wie wollen wir miteinander umgehen? Wie treffen wir Entscheidungen?
  • Wer ist für was verantwortlich? Klare Aufgabenverteilung oder spontane Arbeitsverteilung?
  • Wieviel Zeit investiert jeder für das Unternehmen?
  • Wie werden Kosten und Einnahmen aufgeteilt?
  • Haben wir gemeinsame Werte? 

Die letzte Frage ist besonders wichtig. Denn nur wenn beide Partnerinnen oder Partner für die gleichen Werte stehen, kann die Gründung ein Erfolg werden. Werte sind die Leitplanken unseres Handelns. Werden Werte verletzt oder nicht respektiert, entstehen schnell Konflikte. Ich habe es mehr als einmal bei Gründungen zu zweit erlebt, das durch die unterschiedlichen Werte sehr schnell Differenzen entstanden und es zu Trennungen kam.

Die Rechtsform

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der gemeinsamen Gründung ist die Rechtsform. Jetzt handeln Sie nicht mehr als Einzelperson, sondern haften unter Umständen Gesamtschuldnerisch.

Was heißt das konkret? Ihre Geschäftspartnerin oder ihr Geschäftspartnerin kauft z.B. ein Firmenauto. Dazu haben Sie einen gemeinsamen Kredit aufgenommen. Zugelassen wird das Fahrzeug auf den Namen Ihrer Mitgründerin oder Ihres Mitgründers.

Sie zerstreiten sich und dieser Mensch behält das Auto, denn es ist ja auf seinen Namen zugelassen. Die Kredite für das Fahrzeug laufen weiter, doch Ihr ehemaliger Kompagnon zahlt die Raten nicht. Da der Kredit vom Unternehmen aufgenommen wurde, haften Sie jetzt weiterhin für die rechtzeitigen Raten. Die Bank wird sich an Sie wenden, egal ob Sie das Auto fahren. Sie müssen den Kredit abzahlen und können sich nur durch eine zivilrechtliche Klage das Geld zurückholen - hoffentlich.

Eine gängige Rechtsform bei gemeinsamen Gründungen ist die GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Für diese Rechtsform brauchen Sie keinen Vertrag, sondern auch schlüssiges Handeln führt zu einen GbR. z.B. wenn Sie gemeinsam einen Kunden besuchen oder einen Kredit aufnehmen.  Bevor Sie gemeinsam in die Öffentlichkeit treten - unbedingt einen Geschäfts-Vertrag abschließen. In diesem Vertrag können Sie alle wichtigen Dinge schwarz auf weiß regeln. Insbesondere auch das Thema Haftung. Dieses Vertrag sollte ein Notar erstellen und beglaubigen. Das ist gut angelegtes Geld. Sollten Sie vorhaben eine GmbH oder Partnergesellschaft zu gründen, sind Verträge vorgeschrieben.

Lassen Sie sich also vor einer Gründung zu zweit oder mehreren auf jeden Fall juristisch beraten.

Familiy and Friends - gemeinsam gründen?

Die Gründung mit einer Lebenspartnerin oder einem Lebenspartner  ist eine besondere Konstellation. Als Paar sind sie freiwillig miteinander verbunden. Sie bestreiten gemeinsam den Alltag, wohnen eventuell zusammen und haben Kinder. Die Dynamik als Paar unterscheidet sich also in vielerlei Hinsicht.

Wenn Sie zusammen ein Start-up gründen und darüber hinaus zusammenwohnen, wird sich vieles verändern. Ab jetzt  verbringen Sie viel mehr Zeit miteinander.

Sie begegnen sich auf einer neuen, geschäftlichen Ebene. Die bisherigen funktionierenden Rollen können sich auf den Kopf stellen. Das kann die bisher  harmonische Paardynamik durcheinander bringen. Es sind z.B. eine Vielzahl gemeinsamer Entscheidungen treffen, bei denen man sich nicht immer einig wird. Diese  Konflikte tragen Sie mit nach Hause und damit auch in Ihre Beziehung. Bleiben diese Konflikte ungelöst, können sie  sowohl der Liebe als auch dem Business schaden.

Paare können mit ihren Partnerinnen oder Partnern so offen miteinander reden wie mit niemandem sonst. Grundlage ist das über die Jahre gewachsenes Vertrauen in die Loyalität und die Kompetenzen des geliebten Menschen. Das sind  beste Voraussetzungen, um ein gemeinsames Unternehmen zu gründen. Damit es klappen kann:

  • von Anfang an klare Vertragsverhältnisse schaffen
  • sich stets vor Augen zu halten, wie die neue Situation die Partnerschaft beeinflussen könnte. 

Wenn beide bewusst in diesen Prozess gehen, kann es sehr erfüllend sein, als Liebespaar zusammen ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

Eine Existenzgründung verläuft nicht immer geradlinig.  Der Unternehmer-Alltag kann sonst Beziehungen auf eine harte Probe stellen. Überlegen Sie sehr genau, ob Sie eine Freundin oder einen Freund, ein Familienmitglied oder Ihre Partnerin oder Partner jahrelang im Unternehmen um sich haben können und möchten.

Fazit

Bei einer Existenzgründung nicht alleine für alles die Verantwortung tragen, Entscheidungen zu treffen, sondern einen verlässlichen Menschen an seiner zu haben, hat seinen Reiz. Bevor Sie eine Entscheidung treffen, klopfen Sie intensiv alle Punkte ab.

  • Eine Geschäftspartnerin oder ein Geschäftspartner, der zu jedem Termin zu spät kommt? Was Sie im privatem einer Freundin oder Freund noch durchgehen lassen, werden Sie als Unternehmerin oder Unternehmer nicht mehr hinnehmen wollen.
  • Lassen Sie sich zu keiner Entscheidung drängen.
  • Regeln Sie alle wichtigen Detail vertraglich. Das mag im ersten Moment wir Mißtrauen klingen - schützt Sie aber im Trennungsfall vor jeder Menge Ärger.

Auch wenn Sie gemeinsam gründen - Sie müssen voll und ganz hinter der Geschäftsidee stehen. Die Frage: “Würde ich es auch alleine machen?” - sollten Sie jederzeit mit “JA” beantworten.


Vor welchen Entscheidungen stehen Sie als Gründerin oder Gründer?

Wollen Sie alleine oder gemeinsam gründen?

Schreiben Sie mir gern eine Mail: judith@judith-eggers.de oder hinterlassen Sie einfach einen Kommentar

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  • Geteilte Werte sind eine Basis für eine gemeinsame Gründung. Es hat sich als hilfreich erwiesen, sich über die Ziele klarzuwerden.
    Wunderbarer Artikel, liebe Judith

  • Liebe Judith, das ist ein sehr wertvoller Artikel, der sicher eine gute Entscheidungshilfe ist, wenn man sich in der Sondierungsphase befindet, wie man genau gründen will – allein oder doch zu zweit! Vor allem die Eingangsfrage finde ich sehr wichtig sich zu beantworten, warum man zu zweit gründen möchte. Herzliche Grüße Nicole

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