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Kündigungsgespräch überstehen: Eine Anleitung für den Ernstfall 

aktualisert: 

6. August 2026

In den letzten drei Artikeln dieser Reihe ging es um die Perspektive der Führungskraft:
wie sie ein Kündigungsgespräch vorbereitet, führt und emotional übersteht.

Doch am anderen Ende des Tisches sitzt ein Mensch, dem in diesem Moment der Boden unter den Füßen wegbricht.
Wenn Sie gerade in dieser Situation stecken oder sich darauf vorbereiten:

Dieser Artikel ist für Sie.


Seit 20 Jahren bin ich Sparringpartnerin für Fach- und Führungskräfte. Gut die Hälfte meiner Klienten hat genau diese Situation durchlebt – die Kündigung, den Moment danach, das Gespräch selbst.
Auch ich kenne das aus eigener Erfahrung.


Was mir dabei immer wieder auffällt:

Die wenigsten wissen, was in diesem Gespräch überhaupt erlaubt ist. Sie fühlen sich verpflichtet, sofort zu funktionieren, ruhig zu bleiben, alles zu verstehen, direkt zu reagieren. Das müssen Sie nicht.

Kurz für Eilige

  • Schock, Weinen oder Sprachlosigkeit sind normale Reaktionen – keine Schwäche.
  • Sie müssen im Gespräch nichts sofort verstehen, entscheiden oder unterschreiben.
  • Emotionen zuzulassen hilft Ihnen mehr, als sie herunterzuschlucken.



Bitten Sie aktiv um das, was Sie brauchen:

zum Beispiel darum, nach Hause zu gehen oder einen neuen Termin für die Einzelheiten zu bekommen.

Was passiert in diesem Moment


Der Moment, in dem die Kündigung ausgesprochen wird, ist einer der größten Einschnitte, die ein Berufsleben kennt.

Menschen beschreiben diesen Moment danach oft mit denselben Worten:

„Watte im Kopf.“

Sie hören die Sätze, aber der Sinn erreicht sie meist erst Minuten oder sogar Stunden später.
Manche werden ganz still, manche fangen an zu weinen, manche wirken erstaunlich gefasst, obwohl innerlich längst alles ins Wanken gerät.

All das ist normal. – Es ist keine Charakterschwäche, sondern die Reaktion auf einen echten Verlust.

Wenn Sie das wissen, bevor Sie in ein solches Gespräch gehen, nehmen Sie sich selbst etwas von dem Druck, in diesem Moment „richtig“ reagieren zu müssen.

Sie müssen nicht funktionieren


Die größte Sorge, die mir Klienten nach einer Kündigung schildern, dreht sich selten um den Job-Verlust selbst, sondern um das Gespräch:

„Ich hätte cooler bleiben sollen.“
„Ich habe nur geweint, das war mir peinlich.“
„Ich konnte gar nichts mehr sagen.

Diese Sätze zeigen:

Der Anspruch, professionell zu bleiben, wiegt in diesem Moment schwerer als das eigentliche Recht, einfach nur menschlich zu reagieren.
Sie müssen in diesem Gespräch nicht schlagfertig sein.
Sie müssen nicht sofort verstehen, was das für Sie bedeutet.
Sie dürfen schweigen, Sie dürfen weinen, Sie dürfen auch einfach nur dasitzen und zuhören, ohne ein Wort zu sagen.

Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, damit die Nachricht überhaupt erst ankommt, bevor Sie irgendetwas dazu sagen oder gar entscheiden.

Ihre zwei wichtigsten Optionen


Unabhängig davon, wie souverän oder überfordert Sie sich gerade fühlen:

Sie haben in diesem Gespräch zwei wichtige Optionen.

Bitten Sie darum, nach Hause gehen zu dürfen.

Wenn Sie merken, dass Sie überwältigt sind und in diesem Raum nicht mehr klar denken können, ist das kein Rückzug, sondern Selbstschutz.

Ein faires Unternehmen bietet Ihnen das von sich aus an. Passiert das nicht, bitten Sie aktiv darum. Sie schulden niemandem, bis zum letzten Detail sitzen zu bleiben, nur weil das Gespräch formal noch nicht beendet ist.


Bitten Sie um einen neuen Termin für die Einzelheiten.

Abfindung, Freistellung, Resturlaub, Zeugnis – all das können Sie auch besprechen, wenn der erste Schock etwas abgeklungen ist.

Wenn Sie im Moment der größten emotionalen Wucht wichtige Entscheidungen treffen oder gar etwas unterschreiben, tun Sie das selten mit klarem Kopf.

Ein zweiter Termin gibt Ihnen Tage statt Minuten:
Zeit, um mit jemandem zu sprechen, sich beraten zu lassen oder einfach eine Runde spazieren zu gehen, bevor Sie unterschreiben.

Sollte man Sie bitten, den Empfang der Kündigung zu quittieren, ist das in Ordnung – das ist meist aus formalen Gründen nötig, oft geht es darum, Kündigungsfristen einzuhalten.

Achten Sie aber darauf, nur den Empfang zu bestätigen. Formulierungen wie „Mit der Kündigung einverstanden“ sind tabu – damit erschweren oder verhindern Sie Ihr Recht auf eine Kündigungsschutzklage.


Fazit

Ein Kündigungsgespräch ist für niemanden ein Termin wie jeder andere – auch wenn Führungskräfte lernen können, ihn souverän zu führen.

Für Sie zählt in diesem Moment vor allem eines:
Sie müssen nicht perfekt funktionieren.

Die meisten Menschen versuchen, genau diese drei Gefühle zu verdrängen:
Angst, Wut, Scham.

Genau das macht es schwerer. Wer sie stattdessen zulässt, kommt schneller wieder auf die Beine als jemand, der sie unterdrückt.

Erlauben Sie sich, um Zeit zu bitten, wo immer Sie sie brauchen.
Rechnen Sie mit drei bis sechs Wochen, nicht mit drei bis sechs Tagen. Wer sich in dieser Zeit den Gefühlen stellt, statt sie wegzudrücken, tauscht die Watte im Kopf gegen einen echten Plan.

Sie werden diese Wochen durchlaufen.
Danach werden Sie auf der anderen Seite wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Wenn Sie mitten in dieser Situation stecken und sich fragen, wie es für Sie weitergeht:
Genau dafür ist ein Sparring oft hilfreicher als jeder Ratgeber. Melden Sie sich gern.