Lücken im Lebenslauf?  Was Lücken im Lebenslauf sind, und wie Sie damit am besten umgehen, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Ziel des Lebenslaufs

Vorab grundsätzliches zum Thema Lebenslauf. Oft wird auch vom Curriculum Vitae (CV) gesprochen. Das ist nichts anderes als der lateinische Begriff für Lebenslauf. Inhaltliche Unterschiede gibt es nicht. Wenn Sie sich in einem internationalen Umfeld bewerben, kann es Sinn machen den Begriff CV zu benutzen.

Eine Bewerbung ist Ihr Marketing für sich als Person mit all ihren Fähigkeiten und Erfahrungen. Ihre wichtigsten Marketing-Instrumente sind das Anschreiben (Motivationsschreiben) und Ihr Lebenslauf.

Ziel des Lebenslaufs: Er soll der Leserin oder dem Leser einen schnellen Überblick über Ihre beruflichen Erfahrungen und Ihre Ausbildung geben. Wenn Sie sich auf einen tabellarischen Lebenslauf beschränken, verpassen Sie eine große Chance auf Eigenmarketing. Ein Lebenslauf sollte nicht nur die einzelnen beruflichen Stationen enthalten, sondern auch beschreiben welche Aufgaben Sie im jeweiligen Unternehmen ausgeübt haben. Wenn Ihre berufliche Erfahrung überzeugt, habe Sie gute Chancen zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Für die Schulbildung reicht der höchste Bildungsabschluss. Ob Sie Hobbys im Lebenslauf erwähnen wollen, ist Ihre persönliche Entscheidung. Aus meiner Sicht macht es nur Sinn, wenn Ihre Hobbys etwas mit dem Job oder einem Ausbildungsplatz zu tun haben.

Ehrenämter können Sie im Lebenslauf auch erwähnen, besonders freiwillige Feuerwehr oder THW. Fremdsprachen, die Sie tatsächliche beruflich einsetzen können und IT-Kenntnisse sollten sie ebenfalls auflisten – mit einer Einschätzung wie gut Ihre Fähigkeiten jeweils sind.

Ein Lebenslauf – auch wenn er ausführlich ist – sollte nicht länger als 3 Seiten sein.

Aktuelles Datum und Unterschrift sind sinnvoll, aber nicht zwingend erforderlich. Eine Bewerbung ohne Lebenslauf ist unvollständig und führt nicht zum Erfolg.


Was sind Lücken im Lebenslauf?

Der „Bilderbuch-Lebenslauf“ ist lückenlos und das sieht so aus: Nach Ende Ihrer Schulzeit – Ausbildung / Studium und danach reiht sich eine berufliche Station an die andere.
Möglichst wenige Jobwechsel, eine überzeugende berufliche Weiterentwicklung.
So die Theorie.

Lücken im Lebenslauf sind Zeiten, für die keinen Nachweis haben, was Sie tatsächlich getan haben. Jeder Zeitraum von mehr als einem Monat gilt als Lücke im Lebenslauf.

Im richtigen Leben passieren Dinge, die weder ich noch Sie geplant haben. Ein Unternehmen wird verkauft, der Vorgesetzte wird ausgetauscht, und schon müssen Sie sich beruflich neu orientieren. Das klappt alles nicht so schnell wie gewünscht und Sie werden arbeitslos.

Irgendwann packt es Sie und Sie wollen die Welt entdecken – sie kündigen und gehen auf Weltreise.

Sie nehmen eine Auszeit für die Familie, weil Kinder da sind oder Angehörige gepflegt werden müssen.

Alle anderen Stationen Ihres Lebenslaufes können Sie durch Arbeitszeugnisse oder andere Zeugnisse (Schule, Weiterbildung usw.) belegen.


Typische Lücken im Lebenslauf

Sie müssen Ihre Leserin oder Ihren Leser nicht mit der Nase auf die Lücken stupsen. Wenn eine Lücke weniger als 6 Monate lang ist – lassen Sie es ohne Kommentar so im Lebenslauf stehen. Die Lücke ist offensichtlich erkennbar, weil sie zwischen zwei Stationen in Ihrem Lebenslauf entsteht.
Bereiten Sie sich auf jeden Fall darauf vor, diese Lücke im Vorstellungs-Gespräch zu erklären.
Haben Sie „Pausen“ von mehr als sechs Monaten oder mehreren Jahren in Ihrem Lebenslauf, sollten Sie diese auf jeden Fall in Ihrem Lebenslauf erklären.

Lücke im Lebenslauf durch Arbeitslosigkeit

Wenn Ihre  Arbeitslosigkeit  länger als sechs Monate gedauert hat, erklären Sie kurz, wie es zur Arbeitslosigkeit gekommen ist. Z.B. betriebliche Kündigung, aufgrund von …
Wenn es für Sie zum Nachteil ist, schweigen Sie zum Grund der Arbeitslosigkeit. Sollten Sie in dieser Zeit eine Weiterbildung, Sprachkurs oder ähnliches gemacht haben – auf jeden Fall im Lebenslauf erwähnen.

Bereiten Sie eine gute Erklärung für das Bewerbungsgespräch vor. Haben Sie die Zeit genutzt, um sich klar werden über Ihre persönlichen Ziele und Ihren zukünftigen Arbeitsplatz? Dann machen Sie klar: Jetzt wissen Sie, was Sie wollen. Daher bewerben Sie sich jetzt gezielt auf entsprechende Ausschreibungen.
D.h. Sie haben sich bewusst Zeit gelassen, um wirklich den richtigen Job zu finden.
Vermitteln Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie ein klares Ziel vor Augen haben und die eigenen Fähigkeiten und Stärken genau kennen.

Lücke im Lebenslauf durch Krankheit

Für Krankheit gilt das gleiche wie für Arbeitslosigkeit
– erst wenn es mehr als sechs Monate sind und sie in dieser Zeit nicht beschäftigt waren und kein Krankengeld bezogen haben, sollten Sie darauf um Lebenslauf hinweisen

Grundsätzlich müssen Sie einem Arbeitgeber nicht erzählen, woran Sie erkrankt sind.
Führen Sie sich noch einmal genau vor Augen, wie es zur Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses kam – wenn es auf Grund der Krankheit war.

  • Sind Sie sich sicher, dass Sie den Belastungen an einem neuen Arbeitsplatz gewachsen sind?
  • Was macht Sie sicher?
  • Was ist anders nach der Krankheit, seit Sie gesund sind?
  • Was haben Sie aus der Krankheit gelernt?
  • Was tun Sie heute, um nicht wieder krank zu werden?

Diese Fragen sollten Sie sich ehrlich und selbstkritisch beantworten, vielleicht auch mit Feedback von Ihrem behandelnden Arzt. Ihr möglicher neuer Arbeitgeber möchte Gewissheit darüber haben, ob Sie wirklich wieder fit sind.

Lücke im Lebenslauf durch Auszeiten

Sie haben Elternzeit / Erziehungszeit/ private Pflegezeit genommen?

Haben Sie vielleicht noch etwas anders gemacht, als sich um Angehörige, Familie und Kind zu kümmern?

  • Waren Sie vielleicht ehrenamtlich tätig?
  • Trainerin oder Trainer beim Babyschwimmen oder Lesehilfe für Grundschüler?
  • Haben Sie Veranstaltungen für Kinder / Senioren organisiert?

So etwas sollten Sie auf jeden Fall erwähnen. (siehe Beispiel aus meiner Praxis)

Wenn Sie sich eine private Auszeit genommen haben:

  • was wollten Sie mit dieser Auszeit erreichen?
  • Welche besonderen Eindrücke / Erlebnisse / Erfahrungen haben Sie während dieses Auszeit gemacht?
  • Was waren die größten Herausforderungen für Sie?


Lücke im Lebenslauf durch Gefängnisaufenthalt

Die Zeiten eines Gefängnisaufenthaltes sind nur dann zu erklären, wenn sie länger als 6 Monate gedauert haben. Im Zweifelsfall würde ich die Lücke unkommentiert im Lebenslauf lassen und im Gespräch erklären, wie es zu der Lücke kam.

Wenn Sie eine Ausbildung in dieser Zeit gemacht haben, geben Sie die für die Zeit an.

Erzählen Sie im Bewerbungsgespräch keine langen Geschichten, sondern halten Sie es knapp und präzise.
Stellen Sie dar:

  • Wie haben Sie den Gefängnisaufenthalt genutzt?
  • Welche besonderen Erfahrungen haben Sie in der Haft gemacht?
  • Welche Lehren haben Sie aus dem Gefängnisaufenthalt gezogen?
  • Warum kann sich Ihr neuer Arbeitgeber jetzt auf Sie verlassen?

Ein Gefängnisaufenthalt macht einen Bewerbungsprozess sicher nicht einfach. Auf der anderen Seite gibt es Arbeitgeber, die auch entlassende Straftäter einstellen. Eventuell gibt es einen Zuschuss von der Agentur für Arbeit. Das könnten Sie vorab klären und als Argument nutzen.


Wie Sie mit Lücken im Lebenslauf umgehen

Aus meiner Sicht ist es wichtig, offen und ehrlich mit Lücken im Lebenslauf umzugehen.
Sie müssen nicht jede Lücke erklären. Wer Ihren Lebenslauf liest, wird die Lücken erkennen und dann Fragen stellen. Dann sollten Sie eine gute Antwort haben – sei es im Bewerbungsgespräch oder in einem Vorab-Telefonat.

Aus meiner Sicht sind Lügen im Lebenslauf oder Bewerbungsgespräch kein guter Start in ein neues Arbeitsverhältnis. Sie wird es stressen, denn auf keinen Fall dürfen Sie sich nicht verplappern.

Und wie schnell kann das passieren? Sollten diese Lügen nach einer Anstellung auffliegen – kostet es Sie Ihren Job. Angaben, die nicht der Wahrheit entsprechen, sind ein Grund für eine Kündigung.


Lücken im Lebenslauf darstellen - Ein Beispiel

Eine Frau – Anfang vierzig kam zu mir in die Karriereberatung. Sie hatte eine qualifizierte Ausbildung, einige Jahre anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung übernommen.
Aufgrund Ihrer Heirat, hatte Sie Ihren letzten Job gekündigt, war umgezogen und ab da für viele Jahre nicht berufstätig.
Nach ihrer Scheidung wollte sie wieder arbeiten. Daher hatte sie Ihr kaufmännisches Wissen auf den neuesten Stand gebracht und suchte nun eine Position im Controlling
Bisher war sie bei ihren Bewerbungen nicht erfolgreich. Die lange Auszeit fiel ihr – trotz guter Qualifikation – immer wieder auf die Füße. Das sollte sich durch die Karriereberatung ändern.

Unser Weg

Mich interessierte, wie sie ihre Tage aus „Hausfrau“ denn verbracht hatte. Sie erzählte mir,

  • dass sie ehrenamtlich große Veranstaltungen organisiert hatte – inklusive Planung und Vermarktung
  • dass sie ihren Vater im Sterben begleitet hatte
  • dass sie ein größeres Immobilienvermögen verwaltet hatte

Diese Aktivitäten nahmen wir in ihren Lebenslauf auf.  Aus diesen Tätigkeiten lassen sich viele Fähigkeiten und Stärken ableiten, die zum Aufgabenfeld des Controllings passen.
Mit dem neuen Lebenslauf wurde sie nun endlich zu ersten Bewerbungsgesprächen eingeladen. Für die Unternehmen war es spannend, welche sehr speziellen Erfahrungen Sie mitbrachte. Und es dauerte nicht mehr lange und der passende Job im Controlling war gefunden.

Fazit

Nicht jede lange Studiendauer und jede Auszeit muss ich im Lebenslauf erklären.
Überlassen Sie es auch der Aufmerksamkeit und Neugier der Leserin oder des Lesers, Sie danach zu fragen.
Wichtig:
Wenn Sie gefragt werden, sollten ihre Auszeit erklären können. Erfinden Sie keine langen Geschichten, sondern geben Sie eine klare, nachvollziehbare Erklärung Ihrer „Lücke“ im Lebenslauf.

Stellen Sie sich die Fragen, die Sie hier im Artikel finden und geben Sie sich eine ehrliche Antwort.
Stehen Sie zu Ihren Lücken im Lebenslauf – sie sind das Besondere an Ihnen und Sie haben gute Gründe für jede einzelne Lücke.

Betrachten Sie sich als Opfer, sondern suchen Sie das Positive an den Lücken in Ihrem Lebenslauf.
Lassen Sie nicht davon abhalten Ihren Traumjob zu suchen und zu finden.

Haben Sie Lücken im Lebenslauf? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Schreiben Sie mir gern eine Mail: judith@judith-eggers.de oder hinterlassen Sie einfach einen Kommentar


Erzählen Sie mir Ihre Geschichte.  Lassen Sie uns miteinander reden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden. 

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